Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken;
Sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben.
Konfuzius
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18.januar 2010
Lange ist es her das ich etwas in mein Tagebuch geschrieben habe, denke mal das es an der Zeit ist mal wieder etwas zu schreiben....sorry das ihr so lange warten musstet, aber der Winter ist ein
sehr arbeitsintensive Zeit und dann fehlt mir abends oft die Muse noch etwas zu Papier zu bringen.
08:10 sagt mir mein Computer ist es nun und es ist eigentlich immer noch fast dunkel. das hat damit zu tun das wir es bewölkt haben und die Sonne irgendwie nicht ihren weg findet. Es schneit und
schneit und der Schnee ist so soft wie ein wattebälchen. Gestern Abend beim Füttern war ich echt entzückt wie schön der Schnee auf die Bäume fällt. Es sieht so aus als ob Frau Holle dort oben ein
softballtunier veranstaltet. Wer gewinnt ist noch nicht klar....
Der Winter ist in diesem Jahr schon sehr speziell. Erst ist es kalt, sehr kalt minus 20, alle Bewohner rund um den möstvatn freuen sich, doch wir haben uns zu früh gefreut. Nach nur zwei tagen
kalten Wetter fing es an zu schneien und es schneite und schneite und schneite. Es hörte einfach nicht auf.
Was bedeutete dass der See nicht so schnell zu frieren kann, weil auch wer es nicht glaubt aber Schnee isoliert und zwar nicht immer kälte sondern wärme. Das Wasser unter dem Schnee konnte trotz
Kälte einfach nicht zu frieren. So dauerte es bis wir es endlich mal wagen konnten auf das Eis zu gehen. Und was uns drei Tage vor Weihnachten schockte war das das Eis einfach nicht dicker werden
wollte.
Also musste plan b oder auch c ran. Eigentlich haben wir hier keinen Plan - wir handeln hier einfach weil die Natur und oft vorgibt was wir zu tun haben. Anne (meine Nachbarin 8 Skooter km von
mir entfernt) und ich überlegten wie wir nun über den See kommen. Weil Weihnachten naht, essen muss eingekauft werden, die ersten Gästen sollten dann auch bald kommen und schwimmen wäre nun nicht
die beste Lösung. Die beste Lösung war das wir einen trail durch die wildnes ca.6km schlagen dann versuchen über den björnesund zu kommen. Der björnesund ist eine schmale Passage zwischen dem
Festland und hovden, von da aus wussten wir gibt es bereits einen trail über den See weiter nach varland.
Anne rief Harald an, der ist hier der Mann für alle Fälle. Er betreibt hier am See ein Taxi Boot, ein frachtunternehmen, fischermann, pistenraupenfahrer , sicher habe ich noch was vergessen was
er sonst noch alles macht, wie gesagt Anne rief Harald an ob er von seinem kleinen Hügel sehen könnte wie das Eis aus sieht. Er meinte, tja wie wohl überall in diesem Jahr; sehr schlecht aber er
würde mal versuchen rüber zu kommen.
Einen Trail machen bedeutet zuerst mal die Gewissheit das man oder eher wir Frauen viel schaufeln müssen. Mit Schneeschuhen und Schaufel bewaffnet fingen wir an den trail befahrbar zu machen. Ich
muss wohl sicher kurz erwähnen dass man hier nicht einfach mit dem Skooter losfahren kann. Tiefschnee, nicht zu gefrorene Bäche, tiefe Gräben machen das einfach unmöglich, es sei den man hat Lust
den Skooter immer wieder frei zu schaufeln....
Anne und ich schaufelten und stampften mit den Schneeschuhen den Schnee zu Recht als Anne meinte ich sollte mal hochschauen. Und was sah ich da meine puppies waren der Meinung sie müssten die
große weite Welt erobern, gerade mal 8 Wochen alt saßen sie da wie die Orgelpfeifen und beobachteten was wir dort machten. Jeder kann sich vorstellen das man mit fünf kleinen halbstarken keinen
trail machen will, es sei denn mal will die dreifache Zeit an Schneeschaufeln genießen. Da wir aber so gute 6 km trail brechen vor uns hatten beschloss ich die kleinen Racker wieder nach Hause zu
bringen. Ich sprang auf den Skooter und alle fünf liefen hinter mir her. Damit die kleinen mir nicht wieder folgten sobald ich weg bin, schloss ich sie in unsere große Hundehütte direkt vor der
Haustüre ein. Steven meinte später das dies das fürchterlichste Konzert war das er je gehört hatte
Zurück bei Anne sah ich das Harald bereits da, Anne teile mir mit das Harald wie der Teufel über den trail gefahren sei. Also eigentlich geflogen, sein Skooter fährt so um die 150 km und die hat
er wohl bei dem ritt über dem Eis eingesetzt. Da es kalt ist würde das Wasser das jetzt durch das Aufbrechen vom Eis frieren und dadurch dicker werden. Harald fuhr noch zweimal mehr darüber so
dass wir drei Tage später eine kleine Trasse über dem Eis hatten. Rechts und links davon war es aber noch sehr dünn also eigentlich ein klein wenig gefährlich. Daher machen wir mit Markers (große
Zweige von Birken) einen regelrechten Tunnel um sicher über den See zu kommen. Die ganze Aktion hat uns drei Tage gekostete. Aber so konnten wir endlich nach Wochen wieder den nötigen Einkauf
erledigen. Vor allem hatte ich jetzt einen Trail um meine Gäste sicher von Varland nach Varmevoll zu bringen.
Diese Verlegung des Trails bedeutete für uns hier das wir eine gute Stunde länger brauchten um von Varmevoll nach Varland zu kommen. Normalerweise benötigen wir nur 15 Minuten wenn der Trail
direkt über den See geht. Dies dauerte aber noch fast drei Wochen bis das Eis so fest war das wir es endlich wagen konnten das Eis zu testen und einen direkten Trail zu brechen.
Damit ihr einen kleinen Einblick habt: 100 Markers sind es über den See, dazu nochmals ca. 80 über die Insel Hovden. Jeder einzelne Marker muss von Hand geschnitten werden, in das Eis muss ein
Loch gehackt werden, dann muss es mit Eis stücken festgemacht werden, danach werden nochmals die Reflektoren angebracht, weil nachts fahren im Sturm ohne Reflektoren ist nicht lustig. Habe ich
gerade vor ein paar Tagen erlebt. Weil Schnee und Frost die Reflektoren einfach umschlossen musste ich mit den Hunden den See überqueren, ich habe mich mühsam mit der Stirn Lampe von Marker zu
Marker vorgearbeitet. Es hat geklappt, war sicher ein sehr gutes leader training für meine Hunde.
Bis vor zwei Tagen hatten wir super schönes Wetter, temp. Bis minus 37 grad, dann pendelte es sich auf minus 15 ein. Das hatte aber zu folge das wir keinen Schnee auf dem sehe hatten, wind hatte
den bis dahin gefallenen Schnee verweht und es war pures Eis zu sehen und zu spüren. Wir warteten sehnlichst auf Schnee, es sollte nur ein bisschen sein, aber wünsche und Realität liegen oft weit
auseinander. Jetzt schneit es wie gesagt und hört einfach nicht mehr auf. Das bedeutet, der Trail muss wieder gemacht werden. Die Markers stehen zwar aber der Trail ist weg, wieder ein paar Mal
rüber fahren, Hunde Hütten zum x-mal frei schaufeln etc. etc. etc. Die Arbeit hört nicht auf.
Tja und wie ihr euch evtl. erinnern könnt hatte ich ja nach der Rückreise von meiner ersten Doghandlerin eine neue. Frisch und hoch motiviert reiste sie an. Sie war wirklich eine nette Person,
doch leider ist sie nicht mit der Einsamkeit klar gekommen. Sie hatte unendliches Heimweh und hat hier richtig realisiert was es heißt mit sich alleine klar zu kommen.
Ich hatte ihr, genau wie bei der ersten, erklärt das wir hier nicht haben außer Hunde, Natur, wildness und viel viel stille. Ich höre sie immer noch, kein Problem ich kann das ich brauch keine
Menschen um mich rum, ich brauch keine einkaufen, ich brauch keine kneipe...sie ist nicht mehr da, weil eben sie all das gebraucht hat was sie meinte nicht zu brauchen. Ich fand es sehr, sehr
schade, weil sie wirklich ein nettes Mädchen war.
Diese Erfahrung hat mich aber wiederum zur Erkenntnis gebracht dar ich keine netten Mädchen mehr aus Deutschland haben möchten. Nett alleine reicht nicht, man muss die Einsamkeit mögen, man muss
die Natur mögen, man muss arbeiten können und vor allem muss man sich selber mögen und sich selber genug sein.
Leider gibt es auch etwas sehr trauriges zu berichten. Meine kleine süße Schnecke ist plötzlich gestorben. Sie wurde nur 6 Jahre alt. Bis heute kann ich es noch gar nicht fassen. Einen Tag vorher
ist sie noch gelaufen, morgens beim Füttern merkte ich schon das etwas nicht stimmte, sie war nicht so froh, nicht so lustig, wie sie eigentlich immer war. Sie fraß aber ohne Probleme ihr Futter
Nach dem füttern, als alles still war, hörte ich ein kleines unscheinbares wimmern, ich schaute mich rum wer das sein könnte, alles waren draußen nur eine war in ihre Hütte. Meine Schnecke. Ich
sah gleich dass etwas nicht stimmte, ich trug sie runter in den Stall, dort habe ich eine Art Krankenstation. Dort hatte sie ihre Ruhe, zwei Stunden später war sie tot. Schnecke ich vermissen
deine lustige schusselige Art die dich einmalig gemacht hat. Grüß mir alle die alten Weggefährten.
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Varmevoll Lodge
